Hermann Hesse - Unterm Rad

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Die Kleinstadt: Bürgertum contra Außenseiter (Charakterisierung)

Der Hauptdarsteller Hans Giebenrath wohnt in einer ganz normalen Kleinstadt. Sein Vater ist der Inbegriff des Philisterlebens. So übt er einen typisch Mittelstandsberuf („Zwischenhändler“, S. 1 ) aus und unterscheidet sich nicht von seinen Mitbürgern. Im Gegensatz zu seinem Sohn ist er nicht intellektuell interessiert, sondern beschränkt sich auf das Lesen der Tageszeitung. Er strebt nach keinem beruflichen Aufstieg und ist mit seinem „kleinen Wohnhaus mit Gärtchen“ (S. 1) zufrieden. Den Familiensinn des Philisters drückt auch das Familiengrab aus. Er gehört zu den normalen, unauffälligen Bürgern, z.B. hat er einen gesunden Glauben, aber eine desinteressierte Beziehung zur Kirche. Auch folgt er den ungeschriebenen Gesetzen der „bürgerlichen Wohlanständigkeit“, denn er war noch nie betrunken und brach nie augenscheinlich das Gesetz. Desweiteren nimmt er regelmäßig an Stammtischrunden („Kegelschieben“, S. 1) teil. Er fühlt sich als Mitglied der Mittelschicht und grenzt sich eindeutig von den anderen Gesellschaftsschichten ab („Hungerleider“, „Protzen“, S. 1). Gegenüber den Ärmeren zeigt er sich spendabel, sei es, um seine finanzielle Unabhängigkeit zu demonstrieren oder sein eigenes Gewissen zu befriedigen. Auch seine Abneigung gegen das Außergewöhnliche verbindet ihn mit den „übrigen Hausvätern der Stadt“ (S. 2). Joseph Giebenrath ist damit das perfekte Spiegelbild der bürgerlichen Kleinstadtgesellschaft. Man hält sich als Bürger an die gesellschaftlichen Normen, fühlt sich selbst als Maß aller Dinge und grenzt sich klar von allem „Unnormalen“ ab, seien es die Armen, die man verachtet, seien es die Reichen, denen man ihren Reichtum nicht gönnt und trotzdem sich ihnen anzubiedern versucht. In seiner Freizeit verbringt man die Zeit an Stammtischen oder nimmt an öffentlichen Veranstaltungen (z.B. Zirkus, Theateraufführung) teil, ohne die eigene intellektuelle Schwäche zu bemerken. So entsteht ein Kontrast zwischen dem begabten Hans und den unauffälligen restlichen Bürgern. Mit Hans haben wir ein gutes Beispiel für das Verhalten der Bürger gegenüber eines sich von ihnen unterscheidenden Charakters. Der Hauptunterschied besteht in seinem ehrgeizigen Wissensdurst und den daraus resultierenden überdurchschnittlichen Schulleistungen. Dies führt soweit, dass er als einziger seines Dorfes zum Landexamen geschickt wird, um den Namen der Kleinstadt zu vertreten. Der Stolz der Bürger betrifft jedoch nicht ihn, sondern vielmehr die Möglichkeit den Ruf der Stadt aufzubessern, somit nutzen die anderen Hans für ihre Zwecke aus. Auch unterschiedlich zum Philister ist seine Einstellung gegenüber der beruflichen Karriere, denn er will sich nicht mit einem normalen Beruf („Lehrling im Käsladen“, S. 29) zufrieden geben.
1.6.08 14:11


Rolle der Erzieher: Einfluss von Elternhaus und Schule? Reaktionen von Hans Giebenrath?

Die Begabung von Hans wird zuallererst durch seine Lehrer entdeckt und gefördert. Deshalb geben sie ihm in vielen Fächern Extrastunden, um Hans gut auf das Landexamen vorzubereiten. Darüberhinaus muss sich der fleißige Junge auch zu Hause bis in die Nacht mit schulischen Dingen beschäftigen. Dies erregt den Unmut seines Vaters, später aber verfolgt er jene Stunden des Arbeitens mit väterlichem Stolz und ergreift erzieherische Maßnahmen, um die geistige Entwicklung seines Sohnes voranzutreiben (Angelverbot). Desweiteren ist das Verhalten des Rektors gegenüber seinem Musterschüler von großem Wohlwollen geprägt.
Nachdem er das Landexamen bestanden hat, gönnen ihm die Lehrer nur eine kurze Pause, denn nach kurzer Zeit überschütten sie ihn wieder mit Vorschlägen zur Vorbereitung auf das Priesterinternat.

 
Die Folgen sind an Hans deutlich erkennbar: Der ohnehin schon schmächtige Junge wird mit der Zeit zu einem übermüdeten, schwächlichen und ausgelaugten Wesen. Außerdem  plagen ihn des Öfteren fortwährende Kopfschmerzen und seine nachlassende Ausdauer macht ihm schwer zu schaffen. Trotzdem ignoriert er diese Anzeichen und folgt den Aufforderungen seiner Lehrer, getrieben von persönlichem Ehrgeiz, gehorsam und mit viel Wissensdurst.

1.6.08 15:31


Rolle von Schuhmacher Flaig

Die Person des Schuhmachers Flaig unterscheidet sich von den anderen Personen der Erzählung erheblich. Dies erkennt man in seinem Weltanschauung und seinem Verhalten gegenüber Hans Giebenrath. Denn er rät dem vor dem Landexamen aufgeregten Jungen, sich nicht zu sehr unter Druck setzen zu lassen und verweist auf Gottes großen Plan für „jede Seele“ (S. 14), der sich durch das Durchfallen in der Prüfung nicht ändern würde. Auch beobachtet er beunruhigt Hans charakterliche Entwicklung und mahnt ihn zu Demut. Somit könnte man den Schuster als Hans Gewissen bezeichnen, da er ihn immer ermahnt auf seine Gesundheit aufzupassen und nicht den Boden unter den Füßen verlieren soll. Die tiefe Gläubigkeit des Flaig steht im Kontrast zu der „fadenscheinigen Kirchlichkeit“ (S. 1) der übrigen Stadtbewohner und zu dem mit modernen Ideen vertrauten Pfarrer, Alles in Allem sieht er in Hans einen normalen, jedoch mit mehr Begabung gesegneten Schüler, welcher seine Freiräume braucht.
1.6.08 17:00


Mittel der Konfliktdarstellung

Der Konflikt zwischen den Erwartungen an Hans und dessen eigenen Sehnsüchten wird von Hermann Hesse mithilfe vieler Mittel inszeniert. Zum einen haben wir immer wiederkehrende Motive, z.B. Kopfschmerzen, die die Belastungen des Jungen durch seine Umwelt zeigen oder aber detaillierte Naturbeschreibungen, die den Eindruck einer Idylle erweckend die wahren Leidenschaften und Freuden des Hans Giebenraths dem Leser mitteilen. Die Natur wird in solchen Augenblicken immer sehr genau mit vielen Adjektiven und Beschreibungen dargestellt. Auch in den Dialogen zwischen den Lehrern und Hans erkennt man den Unterschied zwischen der großen Erwartungshaltung sowie der Aufregung des Schülers und der durch die Worte der Lehrer gesteigerte Leistungsdruck. Allgemein werden viele Kontraste erzeugt, welche die Differenz zwischen dem schwächlichen, von allen gedrängten Jungen und seiner fordernden Umgebung darstellen.
1.6.08 20:51


Charakterisiere die Beziehung von Hans Giebenrath zu Hermann Heilner! Welche unterschiedlichen Stad

Hermann Heilner ist der einzige wahre Freund von Hans in der Maulbronner Klosterschule. Zuallererst ignorieren sie sich, Hermann bezeichnet Hans sogar verächtlich als Streber. Beide stellen ganz individuelle eigenartige Charaktere dar, wie sie unterschiedlicher jedoch nicht sein könnten. Denn während Hans Fleiß, Ehrgeiz und Verantwortung zeigt, hebt sich Hermann Heilner eher als selbstständiger Dichter hervor. Aufgrund ihrer Alleinstellungsmerkmale bleiben die beiden ohne Freunde. Doch bei einem zufälligen Treffen im Freien wird der erste Kontakt hergestellt. Durch ein tiefgreifendes Ereignis (Prügelei + Kuss) wird die Freundschaft gefestigt. Um die Zeitverluste, die durch  seine neue Freundschaft entstehen,  auszugleichen, lernt „Giebenrätchen“ in den dafür vorgesehenen Stunden um so fleißiger. Für Heilner dient Hans als Ansprechpartner und Zuhörer seiner „revolutionären“ Gedanken. So kann man sagen, dass Heilner seinen Freund etwas ausnutzt, um seine Individualität auszuleben und seine labile Psyche zu stabilisieren. Doch gerade dieser Eigenständigkeit wegen, kommt die Freundschaft zum erliegen: Durch sein ungehaltenes Auftreten handelt er sich eine Karzerstrafe ein. Deshalb traut sich Hans nicht mehr in seine Nähe, er fürchtet,  die Verachtung seiner Mitschüler und Lehrer würde seine Karriere negativ beeinflussen. Der widerspenstige Freund verzeiht ihm erst nach mehreren Wochen.  Die Trennung hatte beide verändert, sodass Hans von seinem Glück veranlasst, der Schule immer gleichgültiger gegenüberstand. Während sich Hermann zum ernsthaften Problemfall entwickelt, hat Hans Mühe, seine schulischen Leistungen vollends abzurufen, ja rutschten seine Noten nach Aufgabe der Zielstrebigkeit Primus zu werden ins Mittelmaß. Da er mehrere Eigenschaften Heilners übernimmt, sieht er den Inhalt des Unterrichts in einem ganz anderen Licht. So verbindet er den Gegenstand des Unterrichts mit Bildern und Phantasie. Er ähnelt in dem Sinne immer mehr einem Verträumten. Während sich Hans also zunehmend an seinem Freund orientiert und somit sein Leben komplett verändert, bewahrt sich dieser seine Selbstständigkeit (Schulzeitung Stachelschwein). Auch weiht er Hans nicht in seinen Fluchtplan ein. Die Frage ist hierbei, ob es sich um eine spontane oder geplante Aktion handelt. Auf jeden Fall sind die Folgen für Hans dramatisch, da er seinen einzigen Freund verliert und sich selbst überlassen bleibt.

Wir sehen also den Verlauf der Freundschaft als einen Spannungsbogen zwischen den beiden Freunden und ihren jeweiligen Eigenschaften sowie die Prägung Hans durch Hermann.

6.6.08 16:47


Beschreibe Hans Giebelraths Entwicklung in Maulbronn als Prozess von Selbstfindung und Selbstentfrem

Mit dem Eintritt in die Klosterschule beginnt für Hans ein neuer Abschnitt seines Lebens. Er lernt, ohne seine Umgebung auszukommen und mit anderen Mitschülern auszukommen. So profitiert er zunächst von dem nachlassenden Druck seines alten Lebens (Vater, Rektor, Pfarrer), dieser wird jedoch schnell durch neue Personen (Lehrer) aufgebaut. Seine Freundschaft mit Hermann Heilner führt ihm dann eine ganz andere Lebensweise vor Augen, er orientiert sich mehr an seinem Kameraden und übernimmt einige seiner Eigenschaften (Träumerei). Doch dieses geschieht meist unfreiwillig, Heilner beeinflusst den Freund, er hat fast eine gewisse Macht über ihn, so versucht er von Beginn ihrer Freundschaft an, Hans zu seiner Gesinnung zu überreden, „umzuerziehen“. Damit gerät Hans in das Kreuzfeuer der Lehrer, allen voran der Ephorus, und des revolutionären Genies Hermann Heilner. Vor allem der Ephorus versucht Hans von seinem Freund abzuhalten. Hans wird also in einem komplizierten Alter, in welchem die Jugend sich selbst finden sollte, das Opfer des Kampfes zwischen Beeinflussung und dem Drang nach eigener Freiheit.
7.6.08 14:32


Funktion und Gestaltung der Ironie (z.B. III/53-54)

In der Lektüre „Unterm Rad“ benutzt Hesse häufig das Mittel der Ironie, besonders im dritten und vierten Kapitel. Dies bemerkt man, wenn man sich einzelne Abschnitte noch einmal genauer durchliest und dort sieht, wie der Autor Dinge mit einer gewissen Übertreibung beschreibt, z.B. als Hermann Hesse das Aussehen des Maulbronner Klosters erklärt (graziösen, entzückenden Schönheit; köstliche Brunnenkapelle; edlem Kreuzgewölbe; malerische Mauern; verlockender Wohnsitz; …).Dies lässt darauf schließen, dass Hesse diesen Ort überhaupt nicht schön findet, diese Theorie wird durch die Probleme des Hans, die dieser in Maulbronn hat, bestätigt. Die Funktion der Ironie besteht darin, dass Hans von seinem Umfeld aus, eigentlich keinen „normal Bürgerlichen“ Beruf, wie ihn sein Vater ausübt, erlernen soll. Deshalb entsteht auf Hans ein sehr großer Druck, dem er im Verlauf des Buches jedoch nicht standhalten kann und deshalb genau das Gegenteil von dem tut, was sein Umfeld erwartet. Dies könnte man als „Ironie des Lebens“ von Hans betrachten.
7.6.08 18:24





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